02.10.2026
Ruhr Forum Handwerk 2026
Mehr Projekt-Priorisierung und Koordinierung bei der Straßen-, Brücken und Trassensanierung angemahnt
„Ruhr Forum Handwerk“ debattierte in Mülheim an der Ruhr mit Minister Oliver Krischer zum Thema „Mit besserer Verkehrsinfrastruktur zu mehr Wettbewerbsfähigkeit im Ruhrgebiet“
Die marode Verkehrsinfrastruktur ist speziell im Ruhrgebiet ein Wachstums-hemmnis erster Ordnung – für die gesamte Wirtschaft, und hier nicht zuletzt fürs Handwerk. Die besondere logistische Situation für die Betriebe, Beschäftigten und Kunden des größten mittelständischen Wirtschaftssektors und die davon abzuleitenden verkehrspolitischen Erfordernisse waren am Donnerstag Gegenstand einer Konferenz von Institutionen des Handwerks mit Zuständigkeit in der Region, Unternehmenspraktikern und Landespolitik in Mülheim/Ruhr.
„Mit besserer Verkehrsinfrastruktur zu mehr Wettbewerbsfähigkeit im Ruhrgebiet“ war das Brandthema des Ruhr Forums Handwerk 2026 überschrieben. „Jede Stunde im Stau bedeutet Stillstand im Betrieb. Mobilität ist im Handwerk ein Faktor der Produktionskette wie in kaum einem anderen Sektor“, spitzte Handwerkspräsident Andreas Ehlert die Problemanalyse in seiner einführenden Ansprache zu. Eingeladen hatten die im Verbund „Handwerk Region Ruhr“ zusammengeschlossenen Handwerkskammern Düsseldorf (als gastgebender Ausrichter), Dortmund und Münster. Über 100 Teilnehmende sorgten für eine gut gefüllte Konferenzzone in der Stadthalle.
Handwerksbetriebe sind bedingungslos auf eine funktionierende Verkehrs-infrastruktur angewiesen: Sie fahren zu Kunden und Baustellen, transportieren Werkzeug und Material oder beliefern ihre Filialen. „Marode Brücken, Staus, Umleitungen und fehlende Parkmöglichkeiten kosten das Handwerk im Ruhrgebiet wertvolle Arbeitszeit. Was nach 20 Minuten Stau klingt, summiert sich bei 15 Fahrzeugen schnell auf 1.250 verlorene Arbeitsstunden im Jahr,“ so Ehlert. „Für die rund 46.000 Handwerksbetriebe mit 300.000 Beschäftigten in der Region ist eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur deshalb einer der zentralsten Standortfaktoren.“ Das „Sondervermögen Infrastruktur“ biete jetzt die „große Chance“, Straßen, Brücken und Schienen zielgerichtet zu modernisieren. Ehlert: „Entscheidend ist, das Verkehrsnetz im Ruhrgebiet wie ineinandergreifende Zahnräder eines Uhrwerks als ein Ganzes zu begreifen, und so schnell wie möglich zu überholen.“
Dazu müssten anstehende Bauprojekte „plausibel priorisiert, bis in berechenbare Umwegverkehre hinein gut koordiniert und digital beschleunigt“ werden, mahnte der Kammerpräsident. „Kundentermine müssen planbar sein. Staus, Umleitungen und marode Straßen erschweren es den Betrieben massiv, Aufträge wirtschaftlich und zuverlässig abzuwickeln. Die Verkehrsinfrastruktur der Zukunft muss die konkreten Wege und Abläufe des Handwerks mitdenken“, verstärkte die Vizepräsidentin der Handwerkskammer Dortmund, Kerstin Feix, den Impuls. Zuvor hatte der Obermeister der Dachdecker- und Zimmerer-Innung Mülheim-Oberhausen, Jens Peter Richard, die Bremswirkung auf betriebliche Umsätze und Erlöse anschaulich gemacht.
Oliver Krischer, NRW-Landesminister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, ordnete in einem Impulsvortrag den Handlungsbedarf aus Sicht der Landesregierung ein und informierte über Ziele und den Stand der Umsetzung an verkehrsbaulichen und administrativen Maßnahmen, die auf Landesebene vorangetrieben werden, um den Verkehrsfluss auf Straßen, Trassen und Wasserstraßen zu normalisieren: „Wir müssen unsere Verkehrsinfrastruktur schneller fit für die Zukunft machen. Deshalb sanieren wir in den kommenden Jahren 400 Brücken in unserer Zuständigkeit und beschleunigen Baustellen durch neue Modulbauweisen und funktionale Ausschreibungen. Auch das neue Straßen- und Wegegesetz reduziert Planungszeiten, und Bauzeiten werden für unseren Landesbetrieb zunehmend zum Wettbewerbskriterium. So machen wir aus Sanierungsstau ein neues Sanierungstempo. Das bedeutet zunächst mehr Baustellen und damit Einschränkungen, aber nur so können wir vor die Lage kommen.“
Beigeordneter Felix Blasch wies auf die Kumulation gleichzeitiger Autobahn-Einschränkungen, Baumaßnahmen und Sperrungen rund um Mülheim unter Einschluss der Bahn hin; es fehle an einer die föderalen Verantwortungs-Ebenen übergreifenden, Unverträglichkeiten prüfenden, eng abgestimmten Vorhabenplanung. „Mülheim ist von massiven Behinderungen auf mindestens 10 Jahre betroffen. Wir haben jetzt alle Beteiligten an einen Tisch bekommen – und hoffen, lösungsorientiert im Gespräch zu bleiben.“ Auf entsprechend immer gehäufter auftretende Verzögerungen speziell auch im Busverkehr wies Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen und Geschäftsführer der Stadtwerke Oberhausen GmbH, hin.
Willi Kolks, Direktor der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes, stellte seinerseits klar, das Ballungszentrum Ruhrgebiet sei eine besondere Herausforderung: „Hier kreuzt der Transitverkehr von Nord nach Süd, von Ost nach West, vor allem auch der LKW-Verkehr. Deswegen ist es extrem wichtig, dass wir mit klugem Baustellenmanagement und innovativer Technik für flüssigen Verkehr sorgen. Taktgeber für unsere Anstrengungen sind die Brücken, die wir erhalten und vielfach neu bauen müssen, damit sie auch in Zukunft dem Verkehr gewachsen sind.“ Als „notwendigen Dringlichkeitsimpuls des Handwerks als maßgeblichem Träger des Strukturwandels im Ruhrgebiet“ fassten HWK-Präsident Berthold Schröder (Dortmund) und Josef Trendelkamp (Vizepräsident HWK Münster) die Analysen und Wortbeiträge auf dem Forum zusammen. Umsichtig und sachkundig moderiert wurde die Podiumsveranstaltung von WDR-Moderator Tobi Strauß.
Handwerk Region Ruhr
Zum Handwerk in der Region Ruhr gehören 46.664 Betriebe mit 324.246 Erwerbstätigen und 18.808 Auszubildenden. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr 38,0 Milliarden Euro Umsatz. Die Handwerksorganisationen in der Region Ruhr – die Handwerkskammern Dortmund, Düsseldorf und Münster sowie neun Kreishandwerkerschaften – wirken in der Arbeitsgemeinschaft „Handwerk Region Ruhr“ für die Stärkung mittelständischer Strukturen und der beruflichen Bildung zusammen. Sie veranstalten das Ruhr Forum jetzt zum siebten Mal. Gemeinsam mit dem RVR erarbeiteten sie 2025 den Masterplan „Mittelstand und Handwerk“.
www.handwerk.nrw/handwerk-region-ruhr
Haben Sie Fragen? Ihre Ansprechpartner sind:
Handwerkskammer Münster: Michael Hoffmann, T 0251 5203-111
michael.hoffmann@hwk-muenster.de
Handwerkskammer Dortmund: Philipp Kaczmarek, T 0231 5493-422
philipp.kaczmarek@hwk-do.de
Handwerkskammer Düsseldorf: Alexander Konrad, T 0211 8795-140
alexander.konrad@hwk-duesseldorf.de